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03.05.2019

15 neue Hornissen-Berater

Drei Stiche töten einen Menschen, sieben Stiche ein Pferd. So etwas wird immer wieder über Hornissen erzählt. Doch in Wirklichkeit sind die Sozialen Faltenwespen nicht gefährlich, sondern sogar sehr nützlich. Für mehr Aufklärung über die faszinierenden Insekten sollen nun 15 neue Hornissen- und Wespenberater sorgen. Sie waren heute in das Landratsamt Miesbach geladen. Landrat Wolfgang Rzehak ernannte außerdem eine Beraterin für Fledermäuse und dankte dem langjährigen ehrenamtlichen Experten für Hornissen.

Im Frühjahr und im Sommer erreichen das Landratsamt Miesbach regelmäßig Anfragen: Im Garten oder unter dem Dachstuhl hängt ein Hornissennest. Wie soll man nun vorgehen? Sind die Tiere möglicherweise sogar gefährlich? Die Tiere überwintern gerne in Spalten oder in selbst ausgenagten Hohlräumen in totem Holz.

Kein Ergebnis gefunden.

Da Hornissen unter Artenschutz stehen, dürfen bewohnte Nester in Deutschland nicht vernichtet werden. Soll ein Volk dennoch entfernt werden, kann es meist von geschulten Personen umgesiedelt werden. Dazu ist eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. 15 Männer und Frauen sind nun dazu ausgebildet worden, sie erhielten ihre Ernennungsurkunden nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz.

„Sie zeigen alle einen tollen Einsatz für die Artenvielfalt und die Natur“, lobte Landrat Wolfgang Rzehak bei der Ernennung, „das erfolgreiche Volksbegehren „Artenvielfalt - Rettet die Bienen“ hat gezeigt: Immer mehr Menschen wollen es nicht hinnehmen, dass so viele Arten sang- und klanglos aussterben. Hornissen, aber auch Wespen sind unheimlich wichtig für die Kreisläufe im Ökosystem!“

Der Landrat dankte besonders Georg Haslauer. Dieser hatte sich von 2003 bis 2018 als Berater betätigt. Dabei setzte er sehr viele Völker von Hornissen um, im gesamten Landkreis Miesbach. Haslauer sagte: „Man sollte froh sein, wenn man Hornissen hat. Die Nützlichkeit der Hornissen ist dadurch begründet, dass sie viele schädliche Insekten fressen, wie Bremsen, Mücken, Wespen, Fliegen“. In der Literatur wird beschrieben, dass ein Volk von Hornissen mehrere Kilo von diesen Insekten frisst.

Die Tierärztin Dr. Christina Nußstein wurde zur Beraterin für Fledermäuse ernannt. Die Tierärztin arbeitet in einer Praxis in Weyarn und ist eigentlich auf Rindviecher spezialisiert. Doch ihre Liebe gilt viel kleineren Tieren, den Fledermäusen. Sie berichtete, wie sie sich um verletzte Fledermäuse kümmert. „Erstversorgung, dann aufpäppeln und wieder freilassen“. Außerdem betreute sie eine Doktorarbeit, die sich damit befasste, ob und wo Fledermäuse in den Ställen jagen. Mit einem Bat-Detektor hatte sie im Landkreis Miesbach fünf verschiedene Arten festgestellt.

Die 15 Fachfrauen und –männer für Hornissen haben unter anderem einen Kurs absolviert bei dem Hornissen-Berater Elmar Billig. Der Hornissenfachmann aus Utting am Ammersee kümmert sich seit 40 Jahren um die Belange der Tiere, kaum jemand weiß besser Bescheid. In den Kursen gibt er sein Wissen, aber auch spezielle Kniffe und Techniken weiter:

"Wichtig in dem Kurs ist, dass die Leute lernen, wo die Hornissen sich gerne einquartieren. Dann muss man natürlich lernen, zu beurteilen: Kann das Nest an der Stelle bleiben, ist das zumutbar, ist das mit irgendwelchen Gefahren verbunden, und wenn man es herausholen muss, wie hoch sind die Chancen, dass die Hornissen die Aktion auch überleben?", erklärt Elmar Billig.

Der Fachbereichsleiter Umwelt- und Naturschutz des Landratsamtes Miesbach, Florian Brand, freute sich, dass die Information der Bürgerinnen und Bürgern „nun auf so vielen Schultern verteilt“ sei. Im vergangenen Jahr hatten die Mitarbeiter die vielen Anfragen zu dem Thema gar nicht abarbeiten können. Brand kündigte einen neuen Fachvortrag über Wespen für die neuen Berater an.

Die neuen Berater im Landkreis Miesbach kommen gerade zur richtigen Zeit, denn derzeit fliegen gerade die Königinnen aus und suchen einen Niststandort.

Angst vor Stichen hatte keiner der neuen Berater, wohl auch, weil ihnen dieses Wissen vermittelt wurde: Die abgegebene Dosis Gift ist bei Hornissen bei einem Stich in Menschen kleiner als bei der Honigbiene. Der Stechapparat der Biene bleibt aufgrund von Widerhaken in der Haut und gibt weiter Gift ab.

Drei Stiche einer Hornisse töten also keinen Menschen – wenn er kein Allergiker ist. Selbst bei der gefährlichen Art Vespa Orientalis sind erst mehr als 300 Stiche tödlich.