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21.12.2020

21.12.2020 Update Corona Landkreis Miesbach - Impfkonzept nimmt Gestalt an - Dringende Botschaft des Landrats von Löwis 

Das Impfkonzept für den Landkreis nimmt Gestalt an: Voraussichtlich kann am Sonntag, 27.12.2020, mit den ersten Impfungen begonnen werden. Voraussetzung dafür ist, dass bis dahin Impfstoff geliefert wird. Die Anzahl der Personen, die gleich zu Beginn geimpft wird, wird voraussichtlich sehr überschaubar sein, da einkalkuliert werden muss, dass auch ausreichend Dosen für die zweite Impfung nach 21 Tagen vorhanden sein müssen. Wir gehen von einer Anzahl im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich aus.

Zuerst werden Bewohner der insgesamt neun Pflegeeinrichtungen im Landkreis geimpft. Diese wurden bereits im Vorfeld abgefragt, ob sie eine Impfung gegen das Virus wünschen. Es gibt keine Impf-Pflicht, auch die Bewohner von Pflegeeinrichtungen werden nur auf freiwilliger Basis geimpft. In den kommenden Tagen werden Ärzte die Einrichtungen besuchen und die Bewohner über die Impfung aufklären.

Klar ist inzwischen auch, dass die ersten Chargen nur von mobilen Impf-Teams verimpft werden, die die Pflegeeinrichtungen besuchen. Das (stationäre) Impfzentrum in Hausham wird also vorerst nicht geöffnet. Erst, wenn alle Bewohner von Pflegeeinrichtungen, die eine Impfung wünschen, versorgt sind, wird auch eine Impfung nach Terminvergabe vor Ort möglich sein. Leider ist noch nicht sicher, wann ausreichende Mengen an Impfstoff vorhanden sind, sodass das Impfzentrum in Betrieb genommen werden kann. Es wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aber nicht mehr in diesem Jahr sein. Die Öffentlichkeit wird unverzüglich informiert, wenn Termine vereinbart werden können.

Kurzfristig wird der Impfstoff keine Entlastung bringen. Die Inzidenz im Landkreis ist vermeintlich niedrig, jedoch vermutet das Gesundheitsamt, dass einige Menschen sich nicht testen lassen, weil sie fürchten, über Weihnachten in Quarantäne zu müssen. Dafür, dass das Virus weit verbreitet ist, spricht, dass bei Reihentestungen anteilig viele positive Fälle aufgedeckt werden. Das Gesundheitsamt geht daher davon aus, dass die Zahlen nach den Feiertagen wieder deutlich ansteigen.

Landrat Olaf von Löwis wendet sich daher mit eindringlichen Worten an die Bürger: „Viele Mensch sind sehr leichtfertig, vielleicht, weil sie die Lage erst dann ernstnehmen, wenn die Situation richtig schlimm ist. Für viele muss erst etwas passieren, bis sie die Maßnahmen akzeptieren. In den letzten zehn Tagen sind sieben Menschen an oder mit dem Virus verstorben. Natürlich kann man sagen: Die waren alle schon älter und hatten sicher Vorerkrankungen. Diesen Menschen entgegne ich: Bei den Verstorbenen war auch eine 70-jährige Frau dabei. Das ist kein Alter zum Sterben.

Ja, die Maßnahmen sind hart. Ja, die Maßnahmen schmerzen. Ja, viele haben Existenzängste, wie es nächstes Jahr weitergeht. Aber die Maßnahmen sind dringend erforderlich. Wenn wir uns alle in den nächsten Wochen diszipliniert und rücksichtsvoll verhalten, besteht die Hoffnung, dass die Infektionszahlen sinken und wir bald zur Normalität zurückkehren können. Das ist die Voraussetzung, dass unser Gesundheitssystem weiterhin funktioniert und jeder versorgt wird, auch wenn er „nur“ einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hat.

Ich habe keinerlei Verständnis für Menschen, die sich absichtlich den Regeln widersetzen. Vorbeugen scheint für viele zu mühsam zu sein. Natürlich herrscht auch ein großer Egoismus und eine Rücksichtslosigkeit - ging es uns in den letzten Jahrzehnten zu gut? Sind wir verwöhnt? Ja. Das Anspruchsdenken ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet.

Selbstverantwortung ist für viele nur schwer umzusetzen. Gott sei Dank nehmen die meisten Menschen Rücksicht auf diejenigen, die eine Infektion mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überleben würden. Das macht mir Hoffnung, dass es doch noch Toleranz, Empathie und Nächstenliebe gibt.

Ich bitte Sie wirklich inständig: Beschränken Sie auch zu den Feiertagen Ihre Kontakte so weit wie möglich. Ich weiß, dass es schwer ist. Ich weiß, dass niemand mehr Lust darauf hat. Ich auch nicht, das können Sie mir glauben. Aber es hilft nichts. Wenn uns die Situation einmal entglitten ist, ist es fast unmöglich, sie wieder zu beherrschen.

Ich wünsche Ihnen trotz allem ein schönes Weihnachtsfest und viel Gesundheit für das neue Jahr.“

(Im Landkreis Miesbach sind bisher 17 Menschen an oder mit dem Coronavirus verstorben; zehn während der ersten Welle und sieben im Dezember 2020. Die unterschiedlichen Zahlen von Gesundheitsamt und LGL/RKI Ende letzter Woche lagen daran, dass ein Bewohner des Landkreises in einem anderen Landkreis verstorben ist und vom dortigen Gesundheitsamt gemeldet wurde.)

Die aktuellen Corona-Zahlen gibt's wie immer in der Randspalte.