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30.04.2019

Gemeinsam in den Lüften – Gleitschirmflieger nehmen Rücksicht auf Steinadler

Am Wallberg informieren neue Naturschutztafeln Gleitschirmflieger und Drachenflieger über die Schutzzone rund um den Brutplatz des Steinadlers. In den Tegernseer Bergen sind drei Reviere mit Steinadlern besetzt. Doch die Zahl der flüggen Jungvögel ist noch gering. Die Tafeln sollen die menschlichen Flieger darüber informieren, den Bereich um den Horst zur Brutzeit zu meiden.

Die Revision der Wallbergbahn ist zu Ende. Die Saison für die Gleitschirmflieger am Wallberg hat begonnen. Aber auch die Brutzeit des Steinadlers ist in den Monaten März und April schon in vollem Gange. Da die Sportler dasselbe Fluggebiet wie das rund um den Wallberg ansässige Steinadlerpaar nutzen, ist es notwendig, dass Gleitschirmflieger während der Brutzeit den Bereich rund um den besetzten Steinadlerhorst meiden. Damit die Informationsweitergabe von den Steinadlerbeobachtern an die Flieger reibungslos funktioniert, weisen am Wallberg nun Informationstafeln auf die aktuell notwendige Schutzzone für den Steinadler hin.

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500 Meter rund um den besetzten Horst reichen aus, damit der Steinadler sich in Ruhe um seine Brut kümmern kann. Die Flieger werden aber beispielsweise auch dazu angehalten, das bodennahe Überfliegen von Geländekanten und Graten zu meiden. Der Überraschungseffekt kann Wildtiere wie Gämsen oder Raufußhühner zur Flucht zwingen.

„Viele Wildtiere stehen ohnehin unter Druck, denn ihre Lebens- und Rückzugsräume werden immer kleiner, die Störungen der verschiedenen Freizeitnutzungen nehmen zu“, sagt Christine Miller, Steinadler-Beobachterin und 1. Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern.

Die Steinadlerreviere im Landkreis Miesbach waren in den vergangenen Jahrzehnten konstant besetzt. Doch die Zahl der flüggen Jungvögel ist im internationalen Vergleich im untersten Bereich - genauso wie im gesamten bayerischen Alpenraum. In allen drei Revieren der Tegernseer Berge kamen beispielweise in den vergangenen fünf Jahren nur zwei Jungadler zur Welt.


Die Gründe für die schlechte Reproduktionsrate sind vielfältig. „Hier suchen wir nicht den Hauptverantwortlichen bei den Gleitschirmfliegern, denn wir haben auch Reviere mit schlechtere Nachwuchsraten, in denen nicht geflogen wird“, so Gebietsbetreuer Marco Müller. „Wir müssen allerdings versuchen, an allen Stellschrauben zu drehen, die uns zur Verfügung stehen. Deshalb freut es mich, wie die Gleitschirmflieger hier mitziehen und uns unterstützen“.

Björn Klaassen, Naturschutzreferent des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) in Gmund freut sich über die gute Zusammenarbeit mit dem Naturschutz: „Gleitschirm- und Drachenpiloten fliegen häufig mit Greifvögeln gemeinsam im Aufwind. Natürlich respektieren wir die Brutbereiche unserer gefiederten Kollegen. Mit den neuen Infotafeln können wir die Piloten noch besser über sensible Bereiche informieren.“

Seit über 20 Jahren unterstützen die Gleitschirm- und Drachenflieger, die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und der Landesbund für Vogelschutz das Steinadlerprojekt im Tegernseer Tal. Bei der Ausarbeitung der neuen Infotafeln kooperierten neben den oben erwähnten Organisationen die ehrenamtlichen Steinadlerbeobachter, die Gebietsbetreuung Mangfallgebirge, der Drachen- und Gleitschirmflieger Club Tegernseer Tal, der Deutscher Hängegleiterverband, die Gleitschirmschule Tegernsee, Wildes Bayern, die Wallbergbahn, die Bayerische Staatsforsten und das Landratsamt Miesbach.