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18.05.2018

Hochkarätiger Fachvortrag in Fischbachau

Das Architekturforum Miesbacher Kreis setzt sich für eine Stärkung der Baukultur und für qualitätsvolles Bauen im Landkreis Miesbach ein. Regelmäßig werden dazu Fachvorträge organisiert. Im Klostersaal in Fischbachau sprach nun der Vorarlberger Architekt Helmut Dietrich über „Bauen fürs Land“. Kreisbaumeister und Organisator Werner Pawlovsky nannte den Vortragenden einen „Hochkaräter“.

Werner Pawlovsky freute sich besonders über das Thema „Bauen fürs Land“: „Das Land ist immer da – bei manchen Plänen, die im Landratsamt eingereicht werden, schaut es aber so als, als ob die Bauherren unbedingt gegen das Land bauen wollten!“

Kein Ergebnis gefunden.

Pawlovsky lobte zu Beginn seiner Moderation der Veranstaltung Landrat Wolfgang Rzehak, weil der noch keine der Veranstaltungen zur Baukultur im Landkreis Miesbach verpasst habe. Wolfgang Rzehak entgegnete, dass er immer gerne dabei sei, „weil die Qualität der Vorträge überragend ist“.

Dass Dietrich wirklich der angekündigte überragende „Hochkaräter“ ist, zeigt die aktuelle Entwicklung: Er hielt den Vortrag in Fischbachau aus München kommend, auf dem Weg nach Wien. In München wurde gerade der symbolische erste Spatenstich getätigt für eines der größten und wichtigsten Bauprojekte der Stadt: Das Architekturbüro Dietrich / Untertrifaller hatte den Auftrag bekommen für Europas größten Sportcampus. Bei der Vergabe sicher hilfreich war die Tatsache, dass das Büro mittlerweile mehr als 90 Architektinnen und Architekten beschäftigt, unter anderem in München, Graz und Paris. Der Freistaat Bayern lässt sich das Bauprojekt 143 Millionen Euro kosten. Die Fakultät der Sport- und Gesundheitswissenschaften der TU München soll auf dem 150 mal 180 Meter großen Areal untergebracht werden. Der hochmoderne Campus soll neben den denkmalgeschützten Gebäuden der Olympischen Spiele von 1972 gebaut werden. 14 neue Sporthallen und 200 neue Büros entstehen. Spätestens ab 2022 sollen hier bis zu 3.000 Münchner Sport- und Gesundheitswissenschaftler forschen und trainieren können. Die flachen, zweigeschossigen Gebäude sollen einen hohen Holzanteil und große Glasflächen bieten. Helmut Dietrich lud alle Hörer des Vortrages ein, sich die große Baustelle ab Herbst 2018 anzusehen.

Dietrich meinte, dass gerade der Holzbau „noch einiges Potential hat, nicht nur für Einfamilienhäuser, sondern gerade auch für größerer Objekte.“ Sein Büro hat sich einen Namen gemacht durch die Expertise im Holzbau. Auch im Landkreis hat er schon Projekte realisiert, so ein Haus in Bad Wiessee mit Blick auf den Tegernsee. Der Bauherr hatte einst gespottet: „Wir bauen hier das größte hölzerne Bierzelt Deutschlands“. Dietrich zeigte Fotos des fertigen Hauses: Bei der Innensicht vom Wohnzimmer auf den Tegernsee wurde so klar, was er mit seiner minimalistischen „Klarheit der Formensprache“ meint – nahezu die ganze Kopfseite des Hauses ist ein Fenster, fast ohne Sprossen.

Im Gegensatz zu den ersten Entwürfen war dieser Bau dann auch im Einklang mit der Gestaltungssatzung von Bad Wiessee.

Dies brachte den österreichischen Architekten dazu, über den Unterschied zwischen Österreich und Deutschland zu räsonieren. In Vorarlberg gebe es kaum Bebauungspläne.

„Die Raumplanung hat in Deutschland viel stärkeren Wert“, so Helmut Dietrich. Es gebe in Deutschland eine „hohe Regelungsdichte“, etwa den im Baugesetzbuch festgelegten Dreiklang zwischen Bebauungsplan, Innenbereich und Außenbereich. In Deutschland werde dadurch allerdings eine „klare Formung des Siedlungsbildes“ erreicht. In Österreich dagegen gehe alles „wie Kraut und Rüben durcheinander“.

Für die Einhaltung einer klaren Gestaltungslinie ist auch der Kreisbaumeister zuständig. Baugesetzbuch und Bayerische Bauordnung enthalten keine gestalterischen Hinweise – die Förderung der Baukultur will darum weiterhin der Verein Architekturforum Miesbacher Kreis betreiben. Werner Pawlovsky wird zwar Ende Oktober aus dem Dienst im Landratsamt ausscheiden. Aber er wird sich weiter für qualitätsvolles Bauen und für gute Architektur im Oberland einsetzen und seinen Nachfolger unterstützen. Eine vorgezogene erste Würdigung lieferte der Hausherr, Erster Bürgermeister Josef Lechner. Zu Pawlovsky gewandt sagte er: „Du hast Spuren hinterlassen!“