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08.08.2018

Industriegarten oder Schnittstelle zwischen Mensch und Natur?

Sattgrüner, auf den Millimeter geschorener Mähroboter-Rasen; akribisch gestutzte und in Form gebrachte Bäume und Sträucher; wildkrautfreie Kiesgärten mit Wurzelvlies und Steinen in jeglicher Form und Farbe; große, glatte Pflasterflächen – sauber und pflegeleicht muss der Garten für Viele sein. Mit möglichst geringem zeitlichem und körperlichem Aufwand soll eine dem Zeitgeist entsprechende, möglichst repräsentative Fläche entstehen. Für die Natur und ihre Vielfalt bleibt in solchen Gärten kein Platz.

Doch es gibt sie noch, die verwildert anmutenden Gärten. Ineinander verwachsene, ihrer natürlichen Wuchsform entsprechende Büsche und Bäume. Beerensträucher und Obstbäume, die nicht nur uns, sondern auch Vögel und viele andere Gartenmitbewohner zum Naschen einladen. Rasen, der nicht durch Dünger und Wildkrautvernichter zum monotonen Einheitsgrün degradiert wird. Sondern er wird - wo der Platz es zulässt - eine Fläche auf der sich Blumen und Wiesenkräuter im Laufe der Zeit wieder ansiedeln und auch wachsen können. Bunt blühende Sträucher und Stauden, die im Gegensatz zu ihren Artverwandten mit sterilen Blüten auch Pollen und Nektar liefern. Bienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten leben von diesem Angebot. Garten kann so viel mehr sein, als eine reine Repräsentationsfläche.

Viele Leute würden sich wundern, wenn sie wüssten: Ein naturnaher Garten macht viel weniger Aufwand. Durch eine clevere Auswahl überwiegend heimischer Pflanzenarten und durch die richtige Wahl des Standortes, stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Pflanzen, Schädlingen und Nützlingen ein. Sollten trotz der Unterstützung von Igeln, Vögeln und Marienkäferlarven doch einmal die Schäden überhand nehmen, gibt es ein großes Angebot naturverträglicher Alternativen. Die Untere Naturschutzbehörde informiert darüber gerne. Der Einsatz von Kunstdünger im Hausgarten ist nicht mehr zeitgemäß. Gartenpflege muss nicht eine stereotype, ermüdende Tätigkeit sein. Der Garten bietet die Schnittstelle zwischen Mensch und Natur. Ein naturnaher Garten kostet die Gärtnerin oder den Gärtner weniger Zeit und nutzt nicht nur den Menschen.

Die örtlichen Gartenbauvereinen und die Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege an der unteren Naturschutzbehörde bieten fachkundige Unterstützung an.