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29.03.2021

Juwele des Landkreises vom Aussterben bedroht - Pomologe rettet alte Apfel- und Birnensorten

 

Krummbeinige, vergraiste Erscheinungen mit bemoosten Rinden, über Jahrzente gezeichnet von Wind und Wetter, sind ungehante Schätze. Obstbäume, die über Generationen Bestandteil der Ernährung unserer Vorfahren waren und sich an das wechselhafte Wetter im Alpenvorland optimal angepasst haben. Für die jahrzehnte alten Bäume stellt inzwischen jedes Unwetter eine Bedrohung dar. Ertraggesteigerte, schnellwüchsige neue Sorten verdrängen diese Juwele langsam aber sicher aus den Gärten von Bauernhöfen und Familienhäusern. Das Projekt „Apfel-Birne-Berge – alte Obstsorten im Alpenvorland“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, vergessene Apfel- und Birnensorten zu identifizieren und seltenere Sorten in Erhaltungsgärten zu sichern.

Bereits seit 2015 werden in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen von Weilheim-Schongau bis Berchtesgandener Land Kartierungen der alten Obstbäume durchgeführt. In den Gemeinden des Landkreises Miesbach wurden in der letzten Erntesaison ebenso wieder alte Obstbäume untersucht, die von Sortenkennern und Eigentümern gemeldet wurden. Auch hier wurden wieder seltener bekannte und gänzlich unbekannte Sorten gefunden. Bei 24 dieser Sorten wird durch eine Nachzucht nun zum Erhalt beitragen.

Die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Miesbach freut sich, dass sich Bürgerinnen und Bürger an diesem Projekt beteiligen und somit der Fortbestand von seltenen Sorten gesichert wird.

Pomologe Georg Loferer war in den vergangenen Wochen unter anderem in Weyarn, Bayrischzell, Valley, Irschenberg und Gmund unterwegs, um Reiser, also einjährige Triebe von den in diesem Jahr nachzuziehenden Altbäumen, zu schneiden. Ein mühsames Unterfangen, denn die brauchbaren Reiser – lang und möglichst kräftig – befinden sich häufig ganz oben in der Krone der bisweilen noch mächtigen Altbäume.

Die Reiser wurden gut gekühlt und vor Austrocknung geschützt zur Baumschule Schmitt nach Poxdorf im Landkreis Forchheim transportiert und dort auf vorbereitete Unterlagen (Jungbäumchen mit kräftig entwickelter Wurzel) veredelt. Spätestens im Mai werden die Reiser austreiben und der Fortbestand der Sorten ist gesichert – sofern fleißige Hände in den Folgejahren für ein gutes Gedeihen der veredelten Bäume sorgen.

Ab Herbst 2022 werden die Jungbäume dann in Sortenerhaltungsgärten gepflanzt. Bis die Sorten in größeren Mengen in die Streuobstwiesen verbreitet werden können, werden jedoch noch einige Jahre vergehen. Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl führt allerdings schon jetzt eine Liste mit Streuobstwiesenbesitzern, die gerne selbst seltene oder vergessene Sorten auspflanzen möchten, denn das Interesse ist groß.

Die Mittel zur Finanzierung des Projekts „Apfel-Birne-Berge - Alte Obstsorten in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen“ kommen vom Bayerischen Naturschutzfonds, dem Bezirk Oberbayern, dem Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege e.V. sowie von allen beteiligten Landkreisen bzw. dem Trägerverein Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V.. Weiterhin werden Fördermittel gemäß der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) eingesetzt.

Interessierte finden weiterführende Informationen und Kontaktdaten unter www.apfel-birne-berge.de.