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11.01.2017

Konstruktionsmangel ist Ursache für Heizungsausfall in Traglufthalle

In der Nacht von Freitag auf Samstag war in der Traglufthalle in Holzkirchen eine Zusatzheizung nicht wie geplant angesprungen. Die Temperatur in der Halle sank deutlich ab. Der Bereitschaftsdienst des Landratsamtes informierte die Rettungsdienste. Eine Evakuierung der Halle konnte dank des schnellen Eingreifens aber letztlich vermieden werden. Grund für den Ausfall ist ein vom Hersteller zu verantwortender Konstruktionsschwachpunkt der Anlage.

In der Traglufthalle in Holzkirchen sind rund 170 Geflüchtete untergebracht. Für die Klimatisierung der Halle sorgt eine Hauptheizung, bei Bedarf soll eine diesel-betriebene Zusatzheizung einspringen. Als in der Nacht die Temperaturen auf bis zu Minus 24 Grad Celsius fielen, setzte diese Heizung nicht ein. Der Bereitschaftsdienst des Landratsamtes Miesbach alarmierte daraufhin sofort Kreisbrandrat Anton Riblinger, das Technische Hilfswerk Miesbach (THW) und das Bayerische Rote Kreuz. Die Helfer stellten eigene Zusatzheizgeräte auf, zwei Mitarbeiter des THW kümmerten sich die ganze Nacht um den Betrieb.

In der Öffentlichkeit wurden nun Vermutungen laut, Grund für das Versagen wäre eine Fehlbedienung gewesen, also ein Tanken des falschen Betriebsstoffes. Diese unbelegten Spekulationen haben sich als unwahr erwiesen. Das Landratsamt Miesbach hat nun die Untersuchung über den Ausfall der Zusatzheizung abgeschlossen und den wahren Grund ermittelt.

Nach geltendem Vertrag hat die Berliner Herstellerfirma der Halle, Paranet, als Vermieter sämtliche technischen Einrichtungen für einen ordnungsgemäßen Betrieb der Halle vorzuhalten. Vom Landratsamt als Mieter sind die für den Betrieb erforderlichen Energieträger zur Verfügung zu stellen.

Die Firma bestätigte in Anbetracht der Wettervorhersage die Betriebsbereitschaft des erforderlichen diesel-betriebenen Zusatzheizgerätes. Das LRA betankte das Zusatzgerät mit Dieselkraftstoff.

Höchste Kältebeständigkeitsklasse

Die Betankung erfolgte durch das Landratsamt mit Winterdiesel entsprechend der geltenden europäischen Norm EN 590, Klasse F. Dies ist die höchste Kältebeständigkeitsklasse für Winterdiesel. Der tatsächliche Grund für den Ausfall des seitens der Firma Paranet vorgehaltenen Zusatzheizgerätes ist die mangelnde Betriebstauglichkeit bei sehr kalten Außentemperaturen. Eine Betriebssicherheit – auch mit normgerechtem Winterdiesel – wäre bei den Temperaturen von Freitagnacht nur mit einer Vorrichtung zur elektrischen Kraftstoffvorerwärmung zu gewährleisten gewesen. Diese Vorrichtung fehlt jedoch konstruktionsbedingt. Das Heizgerät ist darüber hinaus ungeschützt im Freien aufgestellt und nicht isoliert. Das Landratsamt Miesbach daher die Einsatzkosten bei der Firma als Verursacher geltend machen.