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30.01.2018

Laufställe und Landschaft - Fachvortrag in Fischbachau

Wie können Laufställe harmonisch ein Teil der Landschaft werden? Wie setzt man heimische Baustoffe, heimische Hölzer ein? Was bedeuten die modernen Ställe für das Vieh? Zu diesen Fragen hatte Kreisbaumeister Werner Pawlovsky geladen, zusammen mit dem Arbeitskreis „Qualitätsvolles Bauen im Landkreis Miesbach“. Die Themensetzung des Kreisbaumeisters traf in´s Schwarze: Der Sitzungssaal im Rathaus Fischbachau war brechend voll.

Wenn ich mir die Entwicklung der Laufställe anschaue, dann komme ich in Sorgen“, meinte Werner Pawlovsky bei seiner Einführung in den Abend, „falls es ein Kartell geben sollte, dann hier. Denn für Laufställe gibt es nur eine Handvoll Anbieter. Darum freue ich mich über jeden Zimmerer, der da ist; ich freue mich über jeden Architekten, der da ist; ich freue mich über jeden Landwirt, der da ist. Ich hoffe, diese Veranstaltung regt an nachzudenken!“ – so der Kreisbaumeister.

Den ersten Vortrag hielt Manfred Pusch vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Er beleuchtete das Spannungsfeld zwischen zukunftsfähiger Landwirtschaft auf der einen Seite und anspruchsvoller Baukultur auf der anderen Seite. „Die technische Entwicklung ist ein Segen für die Landwirtschaft und für die Tiere“, meinte der Ministerialrat. Er erinnerte daran, dass aber der Landwirt noch immer „zig Tausend Stunden“ im Stall verbringe. Daher müsse ein moderner Laufstall auch Lebensqualität für die Menschen vermitteln, die dort arbeiten. Er nannte in seinem ausführlichen Vortrag die Stichworte „Arbeitserleichterung, Automatisierung, Tierwohl“. Moderne Ställe müssten sich ohne Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit in das natürliche Umfeld einpassen. Wichtig seien die Langlebigkeit und die Verwendung regionaler Materialien.

Stallbau-Seminare und Computeranimationen

Der Bauer Martin Huber aus Bad Feilnbach („aber mit einem Fuß im Landkreis Miesbach verwurzelt“) stellte seinen neuen großen Laufstall vor. Der ist so gelungen, dass Huber bereits acht Vorträge darüber gehalten hat. „Bauen mit Holz in der Landwirtschaft“ hatte er den Vortrag über den Stall in Sonnenham überschrieben. In seinem Biobetrieb hält der 45 Kühe und Kälber. Er riet zu einer sehr sorgfältigen und ausführlichen Planung. Ein Jahr sei sicher zu veranschlagen. Denn der Stall sei für den Erfolg des bäuerlichen Betriebes – und die persönliche Zufriedenheit des Bauern – sehr wichtig. Denn er ist, einmal gebaut, nicht mehr veränderbar, im Gegensatz zu den anderen Erfolgsfaktoren wie Management, Genetik der Tiere oder Fütterung. Martin Huber riet den anwesenden Bau-Interessierten zur Teilnahme an Stallbauseminaren. Auch mit Computeranimationen von Architekten hatte er gute Erfahrungen gemacht. Huber jedenfalls ist mit seinem neuen Stall so zufrieden, dass er sich ein Foto davon in das Schlafzimmer gehängt hat.

Als einen großen Erfolg für sich selbst verzeichnete das Stefan Bauer. Der gelernte Zimmerer und Architekt bietet nun seine Dienste als Baufachberater für Landwirtschaft an. Bauer hatte auch Martin Huber beim Bau seines Stalls beraten. Er würdigte die „sehr spezielle Baukultur und Kulturlandschaft“ im Landkreis Miesbach, die zu berücksichtigen und zu bewahren sei. Nach seiner Erfahrung benötigen Kühe in einem Laufstall rund drei-einhalb Mal so viel Fläche wie in einem Anbindestall.

Die Kuh braucht drei-einhalb Mal so viel Fläche

„Grund und Boden sind im Außenbereich ein seltenes Gut und sollten darum sparsam bebaut werden“, sagte der Baufachberater. Er erinnerte an das Wissen, welches sich in den gelungenen alten Bauernhöfen der Dörfer zeige. Alle guten Bauten hätten das Verhältnis von Höhe 4 zu Breite 8. Er legte dazu eine Folie von einem klassischen griechischen Tempel, der dieses Verhältnis auch aufnahm. Die Frage sei aber nicht nur: „Wie schaut der Stall aus?“. Sondern: „Wie sieht das Dorf aus?“ und „Wie entwickelt sich das Zusammenleben auf dem Land?“

Professor Florian Nagler aus München schreckt die Zuhörer zu später Stunde mit der Ankündigung, er habe gleich zwei Vorträge. Dann zeigte er sehr unterhaltsam anhand von vielen Bildern, wie gelungene Ställe oder landwirtschaftliche Gebäude aussehen könnten. Ein Schwerpunkt lag dabei auf einen von ihm entworfenen Laufstall, der sehr ansprechend und funktional aussieht. Gleichzeitig ist er aber auch noch preiswerter als die Massenware der herkömmlichen Anbieter.

Zu einem der Ställe kommentierte er: „Ob dort afrikanische Kunst drinsteht oder Kühe, ist eigentlich egal!“ Zu einem anderen Stall meinte er, dieser könne auch „ein schönes Architektenbüro werden“.
Viele innovative Ideen präsentierte er in seinem „zweiten Vortrag“, in dem er Arbeiten der Studenten vorstellte. Diese mussten Kuhställe, Rinderställe und einen Hühnerstall für 6.000 Tiere entwerfen. Die erfrischenden Ideen werden aber vermutlich Gedankenspiele bleiben.

Kein Ergebnis gefunden.

Werner Pawlovsky schloss den Abend mit einer weiteren launigen Moderation: Er meinte abschließend, nun hätte dieser Abend gezeigt, wie man bauen kann, wo man bauen kann und welche Materialien man verwenden sollte. Er bat die Bauherren und die Architekten um Mut und Kreativität, hochwertige Pläne einzureichen. Denn das Landratsamt als Genehmigungsbehörde kann später im Prozess keine entscheidenden Änderungen mehr einfordern. Falls die Pläne gesetzeskonform sind, müssen Sie genehmigt werden. Auch die Bauherren und die Architekten haben also großen Anteil an der gelebten Baukultur im Landkreis Miesbach.