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24.02.2020

Mediziner stellen Projekt TANNE vor

Mediziner des Krankenhaus Agatharied haben im Landratsamt das Projekt TANNE vorgestellt. Die Abkürzung steht für „Telemedizinische Antworten auf Neuropalliative Nachfragen in Echtzeit“.

Durch das Projekt soll die ambulante Versorgung von palliativmedizinischen Patienten mit neurologischen Erkrankungen verbessert werden. Mehr Patienten sollen zu Hause behandelt werden, Einweisungen in das Krankenhaus vermieden werden.

Im Krankenhaus Agatharied arbeitet dazu ein Team mit einer speziellen Expertise für neurologische Patienten, das mit mehreren ambulanten Palliativteams per Telemedizin verbunden ist. Offizieller Projektstart ist Ende 2020.

Im Landratsamt stellten Professor Stefan Lorenzl, Chefarzt Neurologie, die Ärztin Christiane Weck und die Biologin und Studienkoordinatorin Birgit Häckl, das Projekt vor. Christiane Weck ist die Studienleiterin des Projekts. Eine erste Pilotstudie zu TANNE wurde bereits vom Freistaat Bayern gefördert. Dieses Projekt wurde auch mit einem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet.

In dieser ersten Pilotstudie wurden rund 100 Patienten betreut. Die neurologischen Patienten sind etwa an Amyotropher Lateralsklerose, Parkinson, Alzheimer, Multipler Sklerose oder Hirntumoren erkrankt.

Kein Ergebnis gefunden.

„Diese Patienten können auch – wenn es die häuslichen Umstände zulassen - in der letzten Phase ihres Lebens zu Hause betreut werden“, berichtet Professor Lorenzl, „diese Betreuung erspart einen oft unnötigen Krankenhaus-Aufenthalt. Der Stress, Schmerzen und Angst beim Transport fallen weg“. Nach Auskunft des Mediziners gibt es ein gesetzliches Recht auch auf die ambulante SAPV, die „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“. „Es ist noch zu wenig bekannt, dass diese Möglichkeit besteht. Nur 13 Prozent der Patienten nehmen diese Möglichkeit wahr – und nur selten Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Viele Ehepartner und Familien bemühen sich, ihren Partner zu Hause zu behalten. Diese Menschen können durch die SAPV unterstützt werden“, so Lorenzl. Damit kommen die Palliativ-Mediziner auch einem Wunsch der Menschen nach. „Wo möchten Sie sterben, wenn es soweit ist?“ wurde in einer Studie gefragt. Rund 65 Prozent antworteten: „Zu Hause“.

Durch einen Innovationsfond des Bundesforschungsministeriums wurden insgesamt 31 Projekte in ganz Deutschland gefördert. Das Projekt in Agatharied erhielt eine Fördersumme von 2,2 Millionen Euro. Die Mediziner im Krankenhaus Agatharied werden damit ambulante Palliativteams in ganz Bayern mit Beratung und Betreuung unterstützen, wenn diese neurologische Patienten behandeln. Diesen Teams fehlt oft die Expertise und die Experten aus Agatharied können per Telemedizin dazu geschaltet werden, wenn das ambulante Palliativteam zu Hause bei dem Patienten ist. Gleichzeitig wird das Projekt wissenschaftlich begleitet, damit Daten gesammelt werden können, mit dem Ziel, das Projekt in Zukunft in die Regelversorgung zu überführen und damit allen Patienten zugänglich zu machen.