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11.03.2021

Videokonferenz Tagestourismus: Politiker aus Stadt und Land diskutieren über Lösungsmöglichkeiten

 

In die Berge will während der Pandemie jeder – nur wie geht man mit möglichen Nutzungskonflikten um? Am Beispiel Landkreis Miesbach diskutierten Politiker und Interessensvertreter Lösungsstrategien. In Zukunft wird eine Task Force, bestehend aus den Verbänden Tourismus Oberbayern-München (TOM) und Tourismus-Initiative München (TIM) sowie der Europäischen Metropolregion München (EMM), Ideen entwickeln, damit die Bewohner Münchens und der Alpenlandkreise wieder mehr Verständnis füreinander aufbringen und den berechtigten Interessen beider Seiten besser Rechnung getragen werden kann.

Das Thema ist altbekannt, gewann aber mit den Corona-Einschränkungen an Brisanz: Weil während der Pandemie das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren wurde, konzentrierte sich der Freizeitdruck auf einige touristische Hotspots in den Alpenlandkreisen – Nutzungskonflikte inklusive.

Politiker aus Stadt und Land trafen sich daher digital zu einem Tagestourismus-Gipfel und waren sich dabei einig: Es geht nur miteinander, Stadt und Land brauchen sich gegenseitig. Menschen vom Land fahren gerne in die Stadt zum Einkaufen und zu Kulturveranstaltungen, Städter genießen wiederum gerne die Berge und Seen auf dem Land. Für die Zukunft sollen gemeinsam Lösungen entwickelt werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden zu können.

Zum Termin eingeladen haben Miesbachs Landrat Olaf von Löwis, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, sowie der Tourismus Oberbayern-München-Präsident und Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Weitere Teilnehmer am Tagestourismusgipfel:

  • Ilse Aigner, Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete
  • Alexander Radwan, Bundestagsabgeordneter
  • Katrin Habenschaden, 2. Bürgermeisterin Stadt München
  • Christoph Göbel, Landrat München
  • Josef Niedermaier, Landrat Bad Tölz-Wolfratshausen  
  • Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft Stadt München
  • Vertreter des Wirtschaftsministeriums
  • Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer MVV
  • Harald Gmeiner, Vorstand Alpenregion Tegernsee Schliersee
  • Christian Kausch, Geschäftsführer Tegernseer Tal Tourismus
  • Alexander Schmidt, Geschäftsführer Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach
  • Wolfgang Wittmann, Geschäftsführer Europäische Metropolregion München e. V.
  • Oswald Pehel, Geschäftsführer Tourismus Oberbayern-München e.V.
  • Helmut Käs, Vorsitzender von Tourismus Initiative München e.V.

Landrat Olaf von Löwis: „Wir stehen vor der Herausforderung, die verschiedenen Interessen von Stadt und Land zu vereinen – am besten so, dass es nur Gewinner gibt. Ausflügler haben es verdient, sich in unserem Landkreis wohlfühlen zu dürfen, genauso haben es aber auch die Einheimischen verdient, dass sie nicht mit Verkehrs-, Müll- und Toiletten-Problematik alleine gelassen werden. Ich bin froh, dass durch die Diskussion das Thema nun an der Stelle angekommen ist, wo es hingehört, nämlich auf überregionaler Ebene. Das ist kein Landkreis-Miesbach-Problem.“

Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Mir ist wichtig, das Miteinander zu betonen. Denn die Stadt profitiert vom Land und das Land von der Stadt. Aber es geht nicht nur um die Stadt München selbst, sondern um den Großraum München. Ich werbe daher um Verständnis für das Erholungsbedürfnis der „Münchner*innen“ im schönen Alpenvorland – eines Großraums, der selbst unter hohem Wachstum und Zuzugsdruck steht. Für mich ist aber ganz klar, dass sich Ausflügler gegenüber den Bewohner*innen und der Natur rücksichtsvoll verhalten müssen. Es muss mehr gegenseitige Rücksichtnahme geben, dazu reicht es oft schon, sich in die Lage des anderen zu vesetzen. Denn die Situation verbessert sich nur, wenn beide Seiten Verständnis füreinander aufbringen. Der heutige Termnin war wichtig, um dieses Miteinander zu betonen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.“

TOM-Präsident und Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner: „Wir vom Tourismus Oberbayern München arbeiten aktiv an Strategien zur Besucherlenkung und zum Erhalt und Ausbau der Tourismusakzeptanz in ganz Oberbayern. Der neue Ausflugsticker Bayern, Vernetzung der Ranger, das Aufzeigen von Lösungen im Parkraum-Management mit Besucherstromerfassung, aber auch Senibilisierung und Akzeptanzkampagnen sind nur eine Projekt-Beispiele, in denen wir gemeinsam mit unseren Tourismusregionen arbeiten. Wir brauchen smarte, agile Lösungen, die wir nur gemeinsam und im Verbund aller oberbayerischen Regionen auf den Weg bringen können.“

Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner: „Das Land braucht die Stadt und die Stadt das Land. Alle profitieren voneinander. Deshalb wünsche ich mir ein gutes Miteinander. Das gelingt uns nur, wenn wir aufeinander Rücksicht nehmen. Rücksicht entsteht aus Verständnis füreinander. Dieses Gespräch und die Projektgruppe sind eine solide Grundlage dafür.“

Erste konkrete Lösungsansätze wurden bereits am Beispiel Landkreis Miesbach diskutiert: Hier sind seit Weihnachten 20 Ranger unterwegs, die an Wanderparkplätzen und am Berg die Bedeutung der Schutzgebiete und das richtige Verhalten im alpinen Gelände erklären. Die Resonanz auf die Einsätze ist durchweg positiv. Darüber hinaus ist ein Projekt zur Verkehrslenkung mit Echtzeitdaten in Arbeit, bei dem Verkehrsströme gemessen und beispielsweise Staus schon frühzeitig bekannt gegeben werden. Obendrein soll es eine überregionale Informationskampagne geben, die Verständnis schafft für die vielen Bedürfnisse, die an der Naturnutzung hängen.

Auch die von der MVV GmbH entwickelte Idee des Einsatzes von sog. Freizeit-Express- / Pendelbussen wurde diskutiert: ein Ansatz, mit dem die Nachfrage gebündelt werden soll und so die Region vom Verkehr entlastet werden kann. Langfristig muss der Freizeitverkehr gänzlich neu stukturiert werden, da die Verkehrsbelastung mitunter das dringendste Problem vor Ort ist. Dazu muss die Bus- und Bahnnutzung vereinfacht werden und die entsprechende Infrastruktur ausgebaut werden.

Eine eigene Task Force soll sich künftig darum kümmern, weitere Lösungsansätze zu entwickeln und die bereits bestehenden Projekte zu bündeln. Die Task Force besteht aus den Verbänden Tourismus Oberbayern-München (TOM) und Tourismus-Initiative München (TIM) sowie der Europäischen Metropolregion München (EMM) unter Einbeziehung aller relevanter refionaler Vertreter, um die Ideen und Konzepte überregional zwischen Stadt und Apenlandkreisen zu vernetzen.