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25.10.2019

Weichen gestellt für Schienenverkehr im Oberland

Bei einem Treffen im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in München wurde der auch für den Schienenverkehr verheerende vergangene Winter analysiert. Es wurden Maßnahmen besprochen, die einen solchen Totalausfall im kommenden Winter verhindern sollen. Außerdem wurden wichtige Neuerungen und Verbesserungen für den Schienenverkehr im Oberland vorgestellt.

Bei diesem Treffen der Experten sollte es nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um Lösungen. Das machte gleich einer der ersten Beiträge deutlich: „Sowohl die DB Netz, als auch die Bayerische Oberlandbahn sind für die Winterkrise verantwortlich“, hieß es da.

An dem Treffen des Arbeitskreises Oberlandbahn nahmen der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart teil, seine Amtsvorgängerin Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan, die Ersten Bürgermeister des Marktes Holzkirchen und der Stadt Tegernsee Olaf von Löwis of Menar und Johannes Hagn, die Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und der Tegernsee-Bahn Fabian Amini und Heino Seeger, Vertreter der Deutschen Bahn und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), sowie Mitarbeiter der Landratsämter Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen.

Im Kern wurden drei Problemfelder als ausschlaggebend festgestellt:

  • Die Störfallkonzepte sollen überarbeitet werden
  • Die Fahrgastinformation muss verbessert werden
  • Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge hat Priorität

Der Geschäftsführer der BOB berichtete, die Überprüfung der Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge würde vom TÜV überprüft. Trotz eines kompletten Fahrzeugtauschs Mitte 2020 würde hier nicht gespart. Außerdem merkte er selbstkritisch an, dass die BOB bei Großstörungen Busse besser nach einem Notverkehrskonzept einsetzen müsse.

Der Experte der Deutschen Bahn (DB Netz) sagte, die Bahn habe ihr Einsatzstufenkonzept und ihren Notfallplan überarbeitet. Auch schwere Gerät wurde in Stellung gebracht: Eine zusätzliche Fräse in München-Ost und ein Schneepflug wurde fest in Rosenheim stationiert.

Kein Ergebnis gefunden.

Große Hoffnung verbanden alle Verkehrsexperten mit den neuen Zügen: Ab dem Sommer 2020 sollen 25 Züge vom Typ LINT 54 fahren. Sie wurden als „einheitliche zuverlässige Flotte“ beschrieben. Der Standard-Fahrzug würde schon hundert Mal in Deutschland eingesetzt. Im Gegensatz zu den Talenten und Integralen – also den bisher verwendeten Zugmodellen – sind beim LINT alle Fahrzeuge koppelbar. Nach Auskunft des Herstellers werden die Züge für das Oberland „jetzt gerade gebaut“. Sechs zusätzliche Züge sollen speziell in Richtung Tegernsee öfter einen 30-Minuten-Rhythmus in nachfragestarken Zeiten erlauben. Diese zusätzlichen Züge sollen mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 bereitgestellt werden. Die Mehrleistung durch die Extra-Züge soll 300.000 Zugkilometer betragen. Noch mehr Züge erlaubt die veraltete Infrastruktur momentan nicht.

Genereller 30-Minuten-Takt fordert große Umbauten

Für eine generellen 30-Minuten-Takt müssten aber erst große Umbauten und Erweiterungen realisiert werden: Für eine höherer Streckengeschwindigkeit müssten einige Bahnübergänge abgebaut werden. Es braucht Ausweichgleise. Fischbachau müsste zu einem Begegnungsbahnhof ausgebaut werden. Dieser ist nötig, um einen 30-Minutentakt nach Bayrischzell zu ermöglichen. Der kürzere Takt würde dem täglichen Verkehr dienen, besonders aber dem Ausflugsverkehr. Bereits angekündigt sind neue elektrische Stellwerke in Schliersee und Bayrischzell. 2021 sollen sie die Arbeit aufnehmen. Die Elektrifizierung der gesamten Strecke soll vorangetrieben werden, 71 Kilometer haben noch keinen Fahrdraht.

Aufgabenträger für den Busverkehr ist der Landkreis. Um den Busverkehr im Landkreis Miesbach zukunftsfähig zu gestalten, wird derzeit ein neuer Nahverkehrsplan als Grundlage erarbeitet. Der Nahverkehrsplan soll Ende des Jahres vorgestellt werden. Mitte Dezember will der Kreistag darüber beraten. Das Geld für erste Maßnahmen ist bereits im Haushalt eingestellt. Erste Schritte können so schon umgesetzt werden, bevor ein Beitritt des Landkreises Miesbach zum Verkehrsverbund MVV erfolgt. Eine Studie zu dem geplanten Beitritt soll sobald wie möglich starten. Die Kosten werden auf 9,5 Millionen Euro geschätzt. Busverkehr und Zugverkehr sollen besser aufeinander abgestimmt sein – sowohl im Fahrbetrieb, als auch bei der Anlieferung. „Wenn der Takt verdichtet wird, sollen auch die Busse da sein“, sagte ein Mitarbeiter des Landratsamtes.