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24.01.2022

Wildschutzgebiets-Schilder entwendet

 

Die Schilder haben nicht einmal einen Monat gehalten: Zwei Schilder, die auf das neue Wildschutzgebiet im Rotwand-Gebiet hinweisen und erst zum 1. Dezember 2021 aufgestellt wurden, wurden Ende Dezember beschädigt und entwendet. Das eine Schild stand im Bereich der Sandbichler Alm, das andere im Bereich Auerspitz Gipfel. Es handelte sich jeweils um ein Dreiecksschild „Wildschutzgebiet“ und eine Informationstafel zum Betretungsverbot. Ein Schild wurde in einem nahegelegenen Latschenfeld gefunden, das andere bleibt verschwunden. Die Pfosten der Schilder waren durch Schrauben mit den einbetonieren Bodenhülsen verbunden. Zur Entfernung der Schilder musste also entsprechendes Werkzeug verwendet werden.

Das Entsetzen ist groß: Nach zwei Jahren intensiver Abstimmung mit Landwirten, Forstbetrieb Schliersee, Touristikern der Alpenregion Tegernsee Schliersee und Naturnutzervertretern des Deutschen Alpenvereins erlies das Landratsamt Miesbach erst Ende November eine Schutzgebietsverordnung. Diese besagt, dass zwischen 1. Dezember und 14. Juli eines jeden Jahres ein Betretungsverbot in einem 320 Hektar großen, nicht zusammenhängenden Gebiet rund um Lempersberg, Benzingspitz, Wildes Fräulein/Jägerkamp und Maroldschneid gilt. Das Gebiet liegt in den Gemeinden Fischbachau, Schliersee und Bayrischzell.

Grund für das Wildschutzgebiet ist der Schutz vom Aussterben bedrohter Tierarten: Statt der möglichen 150 leben aktuell nur noch 25 Birkhühner in diesem für sie letzten Rückzugsgebiet in den bayerischen Alpen. Über Jahre hinweg konnten die Hühner nicht ungestört brüten und ihren Nachwuchs aufziehen, wurden ständig von Skitourengehern und Wanderern zur Flucht gezwungen. Das Wildschutzgebiet soll zur Erholung der Population beitragen.

Um Naturnutzer nicht grundsätzlich auszusperren und um für Verständnis zu werben, wurden einige Ausnahmen auf beliebten Wanderwegen erlaubt und sogar ein neuer, alternativer Wandersteig angelegt.

Die Demontage der Schilder ist ein Rückschlag für alle jene, die sich für einen verträglichen Tourismus im Einklang mit der Natur einsetzen. Ranger, Gebietsbetreuer, untere Naturschutzbehörde, Landrat – sie alle sind fassungslos, mit welcher Rohheit man die Bemühungen zum Schutz der Natur und Arten mit Füßen treten kann.

„Es ist im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich“, berichtet Naturschutz-Ranger Alexander Römer, der selbst stundenlang nach den verschwundenen Schildern gesucht hat. Sein Kollege Andreas Köpferl – die beiden haben die Schilder auf den Berg getragen und dort einbetoniert – ist ebenso schockiert: „Man versteht es einfach nicht. Da bemüht man sich darum, jeden mitzunehmen und zu erklären, warum hier ein Wildschutzgebiet gebraucht wird, und dann sowas.“ Entmutigen lassen werden sie sich von dem Vorfall nicht: Es kommen neue Schilder, die Präsenz in dem Gebiet wird mit Unterstützung der nebenberuflichen Ranger der Alpenregion Tegernsee Schliersee intensiviert.

Das Landratsamt erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen Diebstahl bzw. Unterschlagung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf etwa 1.500 €, für die nun der Steuerzahler aufkommen muss.

Viel größer ist allerdings der Schaden, der für die Tiere entsteht: Ohne Beschilderung wissen die meisten Naturnutzer gar nicht, dass sie das Gebiet nicht durchqueren dürfen. In der Folge werden die 25 verbliebenen Birkhühner wieder am Brüten gehindert – mit einem ungewissen Ausgang für die Population.  

Hier noch einmal alle Infos zum Wildschutzgebiet Rotwand samt Kartenmaterial: https://www.landkreis-miesbach.de/Wildschutzgebiet-Rotwand/