Seiteninhalt
11.02.2020

Schulterschluss für Kinder mit einem suchtkranken Elternteil

Wenn ein Elternteil oder beide unter einer Sucht leiden, sind die größten Leidtragenden oft die Kinder und Jugendlichen der Familie. Um die Hilfe zu verbessern, wurden nun zwischen der Jugendhilfe, der Suchthilfe und dem Gesundheitsamt die Kooperationsvereinbarung „Schulterschluss“ unterzeichnet.

Unter dem Projektnamen „Schulterschluss“ ist es gelungen, einen Leitfaden der Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Suchthilfe und Gesundheitsamt für den Landkreis Miesbach zu entwickeln. Familien mit einer Suchtsymptomatik soll so gezielte Hilfen angeboten werden. „Wir haben damit ein perfektes Netzwerk von allen Akteuren“, meint der Leiter des Jugendamtes, Robert Wein, „es wird besonders Kindern und Jugendlichen zu Gute kommen.“ Monika Stahlhofer von KoKi, Koordinatorin für das Netzwerk Frühe Kindheit, ergänzt: „Wir waren mit dieser Vereinbarung Pilotprojekt in ganz Bayern. Es steht das Kind im Vordergrund.

Das Projekt „Schulterschluss“ soll sensibilisieren und Schwellenängste abbauen. Eine Sucht ist immer noch stark schambehaftet“. Bereits im Jahr 2016 machte der Steuerungsverbund Psychische Gesundheit mit seinem Fachtag zur psychischen Gesundheit von Kindern mit suchtkranken oder psychisch kranken Eltern auf dieses Thema aufmerksam. In Deutschland leben vermutlich rund drei Millionen Kinder und Jugendliche in einem Haushalt mit mindestens einem suchtkranken Elternteil.

Sucht ist eine Krankheit, die vielfältige Folgen für alle Angehörigen haben und die ganze Familie krankmachen kann. Kinder und Jugendliche sind in solchen Familien immer besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt. Die Eltern empfinden häufig Scham und Hilflosigkeit über das vermeintliche eigene Versagen. Den Kindern fehlen Stabilität, Zuverlässigkeit und feste Strukturen für ihre Entwicklung. Zudem tragen sie ein vermeintliches Familiengeheimnis als Bürde mit sich, über das man keinesfalls mit anderen sprechen darf.

Kein Ergebnis gefunden.

Sucht als Familiengeheimnis Kinder suchtkranker Eltern haben ein etwa sechsfach erhöhtes Risiko, selbst an einer Sucht zu erkranken - im Vergleich zu Kindern aus nicht-süchtigen Familien. Daran erinnert in jedem Jahr die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien. „Schulterschluss“ soll den Erfahrungen der Caritas Suchtambulanz und des Jugendamtes Rechnung tragen, den betroffenen Eltern eine echte Chance zu bieten das zu sein, was sie alle sein wollen: Gute Eltern!

Das Anliegen von „Schulterschluss“ ist es, Familien mit Suchtproblemen zu stärken. „Wir stärken dadurch die Familien und helfen, dass die Suchtkranken ihre Elternrolle wieder besser übernehmen können“, so Robert Wein. Der Leitfaden soll den Eltern gezielte Hilfestellungen bieten, ihr Leben und ihre Gesundheit wieder in den Griff zu bekommen. Kinder in dieser schwierigen Lebenssituation sollen unterstützt werden und zuverlässige Ansprechpartner finden. Schwellenängste sowohl gegenüber den Hilfen des Jugendamtes als auch zur Fachambulanz für Suchterkrankungen der Caritas sollen abgebaut werden.

Das Projekt „Schulterschluss“ wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Es wurden die öffentliche und freie Jugendhilfe, der Fachbereich Gesundheit, Betreuung und Senioren am Landratsamt Miesbach sowie die Caritas Fachambulanz für Suchterkrankungen und -gefährdung im Landkreis Miesbach in gemeinsamen Schulungen für das Thema sensibilisiert.

Die Koordination lag beim Jugendamt und wird auch künftig durch Netzwerkkoordinatorin Monika Stahlhofer organisiert und weiterentwickelt. Der Arbeitskreis Sucht des Landkreises wird den Prozess der Zusammenarbeit durch „Schulterschluss“ begleiten und sich mit den Akteuren einmal im Jahr über die aktuellen Ergebnisse austauschen.