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24.02.2026

Psychosoziale Betreuung von Geflüchteten im Fokus

 
Bayerns Integrationsbeauftragter Karl Straub informiert sich in Warngauer Geflüchteten-Unterkunft

Wie kann Integration menschlich gelingen? Wie kann man Geflüchtete psychosozial stabilisieren und dadurch Gewalttaten vorbeugen? Welche Schwierigkeiten gibt es in dieser Hinsicht bei der Integration? Diese Themen und viele mehr wurden jetzt bei einem Besuch von Karl Straub, dem Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, in der Unterkunft in Warngau besprochen. Auf Einladung von Landrat Olaf von Löwis und Iryna Titov, der Integrationsbeauftragten des Landkreises, informierte sich Straub gemeinsam mit verschiedenen Partnern der hiesigen Integrationsarbeit wie PIA (Pakt für Integration und Arbeit) oder Caritas sowohl bei einer Führung durch den Betreiber Gratus durch die Unterkunft als auch über das Pilotprojekt, das 2025 in Warngau gestartet wurde und Geflüchtete psychisch stabil machen soll für ihre neue Rolle in einer fremden Heimat, in einer fremden Gesellschaft.

Kein Ergebnis gefunden.

„Das Thema psychosoziale Betreuung von Geflüchteten kommt noch immer zu kurz“, stellte Straub fest. Die Menschen, die in Bayern ankommen, seien oft doppelt traumatisiert: zum einen durch Erlebnisse wie Krieg, Vertreibung, Gewalt, zum anderen aber auch durch falsche Versprechungen der Schlepper. „Sie bekommen gesagt: Geht nach Deutschland, da bekommt Ihr Arbeit und ein Haus. Und dann kommen sie hierher und sitzen in einer Halle.“ Integration bedeute auch Sicherheit für die Bevölkerung hierzulande, gibt Straub zu bedenken, das dürfe man nicht übersehen. Landrat Olaf von Löwis bedauerte in dem Zusammenhang die Streichung der Zulassungen für die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen: „Gerade die Sprachkurse sind eine wichtige Investition, um Geflüchtete in Arbeit zu bringen und damit unsere Sozialkassen zu entlasten.“

Kein Ergebnis gefunden.

Iryna Titov betonte, dass man auch im Landkreis „mit den Mitteln arbeiten müsse, die wir hier haben“. Und so startete sie im vergangenen mit PIA, dessen Vorsitzenden Max Niedermeier und Veronika Bauer das Pilotprojekt in der Warngauer Unterkunft. 22 Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren können hier in kleineren Gruppeneinheiten ihre Erlebnisse schildern, bekommen psychosoziale Unterstützung von Experten, aber auch Hilfe in Alltagssituationen, zum Beispiel falls ein Schreiben einer Behörde eintrifft, das sie emotional überfordere. In den Gruppensitzungen wird ihre Reaktion, ihr Verhalten analysiert. Es werden Hilfestellungen gegeben, wie Geflüchtete sich selbst stärken können, trotz Angst, Unsicherheit und traumatischer Erlebnisse. „Der Rollenverlust, den sie als Flüchtling erleiden, sorgt sehr oft für Identitätsverlust bei den Menschen“, erklärte Iryna Titov. Sie würden die Orientierung verlieren. Das heißt, sie müssen sich ihre neue Rolle in der neuen Gesellschaft erst einmal wieder erarbeiten. Titov betont die strukturelle Bedeutung psychosozialer Stabilisierung als Voraussetzung kommunaler Integrationspolitik.

Das Projekt zeigte bereits erste Erfolge, sodass ein zweiter Kurs in Planung ist. „Wir sind auf einem guten Weg, dank Max Niedermeier und Iryna Titov“, sagte der Landrat. Karl Straub betonte, er nehme die positiven Eindrücke von der Unterkunft und der Arbeit mit den Geflüchteten mit. Die fehlende Perspektive, die im anschließenden fachlichen Austausch einige Vertreter der Integrationspartner wie Diakonie oder Helferkreise, bemängelten, werde er auch an Bayerns Innenminister Joachim Hermann weitergeben. „Wir werden nicht müde, auf die Themen hinzuweisen“, bilanzierte Olaf von Löwis. „Aber der Besuch von Karl Straub hat uns allen positive Energie gegeben.“